Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, oder etwa nicht!? Die Niagarafälle bei Sonnenuntergang. Stellt euch dazu noch das laut tosende Geräusch der herunterbrechenden Wassermassen und die von den Fällen herüberwehenden, durchaus wohltuenden, Wasserspritzer vor…und das Bild ist komplett. Zwar sind die Niagarafälle mit ihren rund 57 Metern Höhe eher klein, doch stürzen hier in der Minute mehr als eine Million Badewannen voll Wasser in die Tiefe. Beeindruckend, wunderschön und romantisch! Es wundert mich nicht, dass dieser Ort, früher und auch heute noch, Ziel vieler Honeymooner ist.
Die Niagarafälle liegen auf der Grenze zwischen den USA und Kanada und verbinden den Lake Ontario mit dem Lake Erie. Eigentlich bestehen sie aus ingesamt drei voneinander getrennten Wasserfällen: Den American und Bridal Veil Falls auf der amerikanischen Seite und den Horseshoe Falls, durch deren Mitte die amerikanisch-kanadische Grenze verläuft. Den besseren Blick soll man allerdings von der kanadischen Seite aus haben, wo wir gegen 18 Uhr ein wenig schockiert ankommen. Tja, leider gibt es sie auch. Die andere Seite und damit meine ich nicht die amerikanische oder kanadische Seite. Ich meine die Seite, die ihr auf den Bildern nicht sehen könnt. Die Seite hinter der Kamera: Die Menschen. Und zwar jede Menge davon. Nicht, dass ich Menschen nicht mögen würde, aber hier sind definitiv viel zu viele unserer Spezies vertreten. So viele, dass es eigentlich kein Spaß mehr bringt.
12 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal hier war, aber da war es anders, in keinster Weise überlaufen. Wie mir nach und nach klar wird, weil ich damals am Vormittag hier war. Diese Erkenntnis nehmen wir uns zu Herzen, beschließen es für heute gut sein zu lassen und morgen früh wieder zu kommen. Somit machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem und während wir so dahin laufen, mache ich Bekanntschaft mit einer weiteren, hier in Massen vertretenen Spezies – einer Riesenmöwe bzw. dem was die Möwe nicht verwerten konnte…und es landet mitten auf meinem Kopf! Super! Höchst angewidert und verärgert über die vielen Menschen…und nun auch noch über die Tiere, gehen wir in’s nächstbeste Restaurant, dem Queen Victoria Place Restaurant. Mittlerweile ist es dunkel geworden, ich säubere mich auf der Damentoilette und dann gibt es Essen mit Blick auf die angestrahlten Wasserfälle. Von Zeit zu Zeit wechseln die Farben und nach einem kurzen Augenblick beginnt das Feuerwerk über den Niagarafällen zu glitzern. Das Essen hätten wir uns sparen können, aber für einen Drink bei Lichtshow und Feuerwerk ist es durchaus empfehlenswert.
Satt und wieder besser gelaunt geht es weiter zu unserem Hotel, wobei wir den zweiten Teil der anderen Seite durchqueren: Clifton Hill! Hört sich schön an? Ist es aber nicht. Clifton Hill ist kein Aussichtspunkt, sondern eine Vergnügungsmeile, die eher an eine Mischung aus Las Vegas und Reeperbahn (ohne die zwielichtigen Institutionen für Erwachsene) erinnert, als an die naiv romantische Vorstellung der Niagarafälle. In Las Vegas ok, aber hier!? Vorbei geht es an Bars, Geisterhäusern, Wachsfigurenkabinetten und Dinosaurier-Minigolfplätzen…
Tipp
Kommt unbedingt morgens, um den später ankommenden Menschenmassen zu entkommen. Ja, ich weiß, jeder Reiseführer empfiehlt das und ich habe es auch nicht wirklich ernst genommen. Daher allen Ernstes: Kommt zumindest einen Tag so früh wie möglich! Es lohnt sich!!!
Als wir morgens wieder an den Horseshoe Falls ankommen, sind wir begeistert. Es ist so leer, wie ich es von damals kenne. Glücklich stehe ich am Table Rock, an der Stelle wo der Wasserfall kurz davor ist sich in die Tiefe zu stürzen. Beängstigend und faszinierend zugleich. Kurz habe ich das Gefühl vom Wasser angezogen zu werden und springen zu müssen – mache ich aber natürlich nicht. So bleibe ich stehen, lasse mich noch für einen kurzen Moment in den Bann der Wassermassen ziehen und komme zu folgender Erkenntnis: So überlaufen es hier am Abend ist und so unnötig und abschreckend Clifton Hill auch sein mag, es sind halt einfach die Niagarafälle. Ein faszinierendes Naturereignis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Froh über das positive Erlebnis, machen wir uns bei halb geöffnetem Autofenster auf den Heimweg. Plötzlich landet etwas nasses auf meinen Beinen… ERNSTHAFT!? Schräg durch ein halb geöffnetes Autofenster!? Zwei Mal in nicht einmal 24 Stunden!? Da wollte wohl das Prachtexemplar von Riesenmöwe noch einmal auf Wiedersehen sagen. Das ist ihr mehr als gelungen! Ungläubig über so viel Zufall und anscheinend genug Glück für die nächsten 10 Jahre im Gepäck, geht es dann unter Tränen lachend Richtung USA.
Bis zur nächsten kleinen großen Reise
Eue Kerrin
Tipp
Zwei weitere schöne Weisen sich die Niagarafälle anzuschauen sind die Bootsfahrt zu den Wasserfällen und die "Journey Behind The Falls".
Während früher noch die Maid of the Mist zu den Horseshoe Falls gefahren ist, kann man sich heute von der Hornblower Boat Company in den Wassernebel kurz vor den Wasserfällen fahren lassen. Wie bei der Maid of the mist, wird man auch hier mit einem schicken Einweg-Regencape ausgestattet - und das barucht man auch, denn es wird nass! Viel sieht man nicht mehr, wenn man erst in den wassergetränkten Nebelschwaden verschunden ist, aber der Spaß und die Erfahrung sind es definitiv wert.
Die "Journey Behind The Falls" ist beim ersten Besuch ebenfalls Pflicht. Durch ein unterirdisches Tunnelsystem gelangt man hinter die Horseshoe Falls, wo man durch ein Loch die Wassermassen vor sich herunterstürzen sieht. Außerdem hat man Zugang zu einer Aussichtsplattform weiter unten an den Wasserfällen, von wo aus man die Kaskaden von einem anderen Blickwinkel aus betrachten kann.
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