Route 66 - The Mother Road

Route 66, die Straße aller Straßen…und sofort denke ich an Motorräder und Cadillacs auf einer breiten geraden Straße in der endlosen Weite Amerikas. Hier und da ein paar kleinere und größere Orte mit Dinern und Tankstellen im 60er Jahre Look. Alles übersät mit Route 66 Schildern und skurrilen  Touristenattraktionen am Wegesrand.

Fährt man die gesamte  Strecke von Chicago bis nach Santa Monica, liegen 2.448 Meilen (3.940 km) vor einem, um genau diese Dinge zu entdecken. Widerum hat man 8 Staaten über Zeit – Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, Arizona, New Mexiko und Kalifornien – die entdeckten Dinge auf sich wirken zu lassen. 

Während die Strecke üblicherweise von Ost nach West verläuft, bildet Illinois den einzigen Abschnitt, auf dem die Strecke eher von Nord nach Süd führt. 

2026 wird die Route 66 bereits 100 Jahre alt. Das Jahr der Jahre für alle Route 66 Fans…und die, die es werden wollen!

Route 66: Von Chicago nach Springfield

In diesem Artikel geht es um den ersten Abschnitt der Route 66 von Chicago nach Springfield… 1/12 der gesamten Strecke, einer Tour durch den Staat Illinois, die entweder als Ratgeber für den ersten Teilabschnitt oder als Tagesausflug/Wochenendausflug von Chicago aus gemacht werden kann. 

Länge: 210 Meilen (338 km)

Reine Fahrtzeit: Knappe 4 Stunden (One Way)

Dauer insgesamt: ca. 10 Stunden (One Way)

Ja, 10 Stunden durch’s Nichts und man wundert sich, was man dann doch so alles in seinen Reiseeführern findet und sehen will. Die folgende Route bildet zwar vieles an Sehenswürdigkeiten ab, aber es gibt durchaus mehr. Je nachdem mit welchem Ziel man die Strecke entlang fährt, müssen daher eventuell Abstriche gemacht werden. Wer mehr sehen will, dem rate ich im „Route 66 Welcome Center“ in Joliet (siehe unten) den kostenlosen Visitor Guide und die Broschüre „Illinois Route 66“ mitzunehmen. Hier werden alle Attraktionen und sehenswerte Diner aufgeführt.

Wer einen Tages- oder Wochenendausflug macht, kann die Strecke auf dem Rückweg komplett über die I-55 zurück nach Chicago fahren und spart ca. 45 Minuten.

Bevor es nun endlich los geht, noch ein wichtiger Punkt: 

Am bestsen gebt ihr die jeweiligen Zwischenziele in euer Navi ein. Vermutlich wird euch das Navi komplett über die I-55, die heutige Highway Version der Route 66, schicken. Die Krux an der Sache ist aber, dass es nicht nur EINE Route 66 gibt, sondern mehrere. Wie das kommt?

1926-1930 führte die erste Route 66 noch direkt durch die Dörfer und Städte. 

1930-1940 wurden neue Straßenabschnitte gebaut, um größere Städte umfahren zu können.

1940-1977 endeten die Transporte für den 2. Weltkrieg und der Wunsch nach schnelleren und sichereren Straßen in der Erweiterung auf einen 4 spurigen Highway. 1977 wurde die Route 66 dann in die heutige Interstate 55 umgewandelt. Der „Untergang“ für viele Unternehmer in den kleineren Städten entlang der Strecke. All die Jahre war die Straße der Auslöser für die vielen Reisenden und der Grund weshalb jedes kleine Städtchen mindestens ein attraktives Route 66 Diner, ein Motel und ein skurriles Wahrzeichen hatte, für das es sich zu stoppen lohnte. Mit dem Highway war niemand mehr gezwungen die kleinen Städte zu durchfahren. Der Tourismus ging zurück.

Tipp

An vielen Abschnitten kann man auch heute noch die alten Routen fahren. Diese verlaufen an manchen Stellen sogar parallel zur heutigen I-55. Achtet auf die "Route 66 Schilder" am Wegesrand, die euch auf die Abstecher zu den älteren Routen hinweisen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen Weg auf Google Maps verfolgen. Hier sind ebenfalls die historischen Routen hinterlegt, sodass man bei Bedarf seine Route anpassen kann.

Nimmt man die Historic Route, dauert der Weg ein kleines bisschen länger, dafür hat man aber das Feeling von damals!

Route 66
Blick von der Historic Route auf die heutige I-55. Viele Abschnitte der Historic Route 66 können heute noch befahren werden und verlaufen an manchen Punkten sogar parallel zur I-55.

Chicago - Start der Route 66

In Chicago beginnt die Route 66. Historisch gesehen, ist der Startpunkt am Buckingham Fountain im Grant Park (301 S Columbus Drive). Ihr kennt den Buckingham Fountain nicht? „Love and marriage, love and marriage. go together like a horse and carriage. This I tell ya brother, you can’t have the one without the other!“ – Na, klingelt da was bei dem Songtext? Das ist das Lied zur Serie „Eine schrecklich nette Familie“. Wer sich noch an den Vorspann erinnert, hat jetzt vielleicht das Bild von einem großen Brunnen mit speienden Fontainen vor Augen…und genau das ist der Buckingham Fountain! Solltet ihr nicht verpassen.

Weitere Tipps für Dinge, die ihr in Chicago nicht verpassen solltet, findet ihr hier:

Nachdem ihr ein paar Tage Chicago erkundet habt, geht es los. Der heutige offizielle Startpunkt der Route 66 befindet sich an der Ecke Adams Street und Michigan Avenue. Ein Foto vom Startzeichen ist ein absolutes Muss. 

Wer noch nicht gefrühstückt hat, sollte dies nachholen. Um die Ecke ist das kultige „Lou Mitchells“ (565 W Jackson Boulevard), das seit den 20ern schon so einige Route 66 Fahrer bewirtet hat. Unter der Woche bekommt man Frühstück bereits ab 05:30. Am Wochenende ab 07:00.

Tipp

Bevor ihr euch auf den Weg entlang der Route 66 macht, solltet ihr nutzen, dass ihr ein Auto in Chicago habt und den Lake Shore Drive entlang fahren. Der Lake Shore Drive ist Chicagos Highway und Scenic Drive zugleich. Er verläuft durch Chicago von Nord nach Süd bzw. Süd nach Nord. Die Besonderheit ist, dass er die ganze Strecke über direkt am Ufer des Lake Michigans entlang läuft. Die eine Seite bietet den Blick auf den See, den Navy Pier und die Museumsinsel, die andere Seite bietet die Stadt mit ihren Hochhäusern und Luxusbauten. Besonders schön ist es, wenn man die Tour vom Norden aus startet (z.B. ab Höhe Lincoln Park / Lake View), weil man dann in die Stadt hinein fährt und direkt auf den Hancock Tower zufährt, nachdem die Straße dann einen Schlenker vorbei am Navy Pier, Millennium Park, der Museums Insel und dem Soldier Field macht.

Joliet - 38,5 Meilen (50 Min.)

Route 66 Welcome Center - 204 N Ottawa St. - Joliet
Rialto Theater - 102 N Chicago St - Joliet
The Joliet Diner - 22 West Clinton St. - Joliet

Ist man auf der Route 66 unterwegs, kommt man nach knapp 40 Meilen in Joliet an. Hier befindet sich das Welcome Center der Route 66, wo einem ein kleiner Einblick in die Geschichte der Route 66 in Illinois gewährt wird. Im Eingang sitzen zwei lebensgroße Figuren der Blues Brothers, mit denen man ein foto schießen kann. Der Eintritt ist kostenlos. Nebenan gibt es einen Souvenirladen, in dem es von T-Shirts über Magnete und Blues-Brother-Verkleidungen bishin zu Getränken mit Road 66 Emblem, alles gibt. Danach gilt es, einen Blick auf das alte Kino „Rialto“ zu erhaschen. Wer in Chicago nicht gefrühstückt hat, der kann das im  Joliet Diner wunderbar bei viel Road 66 Deko, Kaffee und Eierspeisen nachholen.

Gemini Giant - 21 Meilen (30 Minuten)

810 E Baltimore St - Wilmington

Route 66 Attraktionen

Der Gemini Giant…eines der skurrilen Wahrzeichen, die man sich auf dem Abschnitt durch Illinois auf jeden Fall nicht entgehen lassen sollte…für die, die es mir nicht glauben: Er wird sogar im Lonely Planet beworben…ha, wenn das mal nichts ist!? 😉 Klar, die riesige an einen Astronauten erinnernde Figur aus Fiberglas mit Helm, Rakete und amerikanischer Flagge ist sicherlich nicht mit der Freiheitsstatue zu vergleichen, aber wenn man die Route 66 entlang fährt, definitiv ein Muss. Außerdem erinnert sie an die Zeit der 60er Jahre. Die Aera der raumfahrt. 

Der Gemini Giant steht auf dem Parkplatz des dazugehörigen Drive-In Restaurants „Launching Pad“. Wer auf dem Weg noch nicht genug gegessen hat, kann hier einen Zwischenstopp einlegen und die Seele baumeln lassen. Ich sag ja, jedes Dörfchen hat seine Attraktionen und kultigen Diner 😉

Tankstelle Dwight - 24 Meilen (27 Minuten)

417 W Waupansie - Dwight

Route 66

Diese Tankstelle stammt aus den 40er Jahren, als noch viele Autos durch das 4.000 Seelen  Städtchen Dwight gerollt sind und hier getankt haben. Heute gibt es hier kein Benzin mehr. Die Tankstelle wurde renoviert und bekommt für den weiteren Erhalt Subventionen aus dem „Route 66 Corridor Preservation Program“. Wer mag, kann sich in der Raststätte ausruhen und sich im Informationszentrum näher erkundigen. Auch wenn kein Benzin mehr verkauft wird, die Elektro-autofahrer unter euch haben Glück. Auf dem Parkplatz links von der Tankstelle gibt es zwei Ladestationen für E-Autos!

Memory Lane - 40 Meilen (40 Minuten)

Old Route 66 North - Lexington

Wisst ihr noch? Am Anfang habe ich euch von verschiedenen Routen erzählt. 40 Meilen weiter  von Dwight stößt man auf die Memory Lane. Ein Beispiel für  einen der alten Abschnitte. In diesem Fall sogar ein ganz besonderer, da dieses Stück noch mit dem ursprünglichen Asphalt gepflastert ist. Außerdem kann man hier noch die alten Straßenschilder aus den 60er Jahren begutachten. Eine Erinnerung an vergessene Zeiten.  Am besten ins Navi „memory Lane in Lexington“ eingeben oder auf die abzweigenden Schilder achten. Außerdem heißt es Kamera bereithalten. Am Ende der Straße, kurz vor der Kreuzung mit Häusern, ist das Historic Route 66 Logo auf den Asphalt gedruckt. Definitiv wert aus dem Auto auszusteigen!

The Railsplitter Covered Wagon - 54 Meilen (51 Minuten)

1750 Fifth St - Lincoln

Route 66

Nach weiteren 54 Meilen kommt man nach Lincoln. Hier steht laut Guiness-Buch der weltgrößte Planwagen. Und wer sitzt drauf? Klar, Abraham Lincoln höchst persönlich. Immerhin wurde die Stadt nach ihm benannt und er selbst hat die Stadt mit einer Wassermelone auf seinen Namen getauft. Diese skurrile Attraktion wurde 2010 vom Reader’s Digest zur besten „Roadside Attraction“ gekürt. Im Sommer ist der Planwagen natürlich mit dem aus Filmen typischen Leinen-Dach bespannt. In Lincoln selbst gibt es ein paar Geschäfte und Restaurants sowie die „Mill on 66“, eine renovierte Windmühle, die heute als Museum dient (738 S Washington – Lincoln).

Springfield - 32 Meilen (33 Minuten)

Abraham Lincoln Presidential Library & Museum - 112-212 N Sixth St - Springfield, IL
Cozy Dog Drive In - 2935 S Sixth St - Springfield, IL

Springfield ist die Hauptstadt des Lincoln States Illinois. Warum Illinois der Abraham Lincoln Staat ist, obwohl Lincoln in Kentucky geboren wurde, erfahrt ihr u.a. im „Abraham Lincoln Presidential Museum“, dem besten Museum, in dem ich je war. Ohne Witz! Wer denkt schon, dass das beste Museum aller Zeiten in Springfield, Illinois, zu Hause ist. Ich hätte es jedenfalls nicht gedacht.  Das Museum führt durch die unterschiedlichsten Etappen seines Lebens, deren wichtige Ereignisse mit Hilfe von nahezu echt wirkenden Wachsfiguren und Kulissen dargestellt werden. Man hat das Gefühl bei allen Szenen unmittelbar dabei gewesen zu sein. Toll gemacht und sehr lehrreich!

Tipp

Am Anfang des Museums empfehlen die freiwilligen Helfer des Museums die beiden Theateraufführungen nicht zu verpassen. Haltet euch auf jeden Fall daran! Ich habe noch nie so eine tolle Show erlebt. Das erste Stück heißt "Ghosts of the library". Es geht um die Wichtigkeit von früheren Aufzeichnungen in der Geschichte. Nicht gruselig, aber ihr werdet Gänsehaut bekommen...das versprech ich euch! Ein wahnsinns Bühnenbild und Bühnentechnik! Ich sage nur Hologramme und Special Effects! Das zweite Stück ist ein Film über Lincolns Leben. Mit massig Spezialeffekten ebenso sehenswert. Museen und Show können die Amerikaner halt einfach!

Plant außerdem genug Zeit für das Museum ein. Es schließt um 17:00 Uhr. Einlass ist nur bis 16 Uhr. Wir hatten insgesamt 1,5 Stunden und hätten gerne noch etwas mehr Zeit gehabt. 2 Stunden mit Theater und Film sollte gut zu schaffen sein.

Nach dem Museum könnt ihr euch noch das Haus (413 S 8th St – Springfield, IL) und Grab von Abraham Lincoln (1441 Monument Avenue – Springfield, IL) anschauen, die Stadt etwas näher erkunden und zum Abschluss einen Cozy Dog im „Cozy Dog Drive In“ verputzen. Was ein Cozy Dog ist? Kennt ihr Corn Dogs? Genau das ist ein Cozy Dog. Hier wird er nur anders genannt. Ein Würstchen am Stiel in frittierter Maisteighülle. Und wer hat es erfunden? Nein, nicht die Schweizer…sondern der Cozy Dog Drive In. Wer also noch nie einen Corn Dog gegessen hat, sollte sich schleunigst auf den Weg hier her machen. Kleiner Tipp: Mit Ketchup oder Senf könnt ihr euren Corn Dog noch aufwerten. Einfach ein bisschen in die Schale füllen und  den Corn Dog eintauchen. 

Bis zur nächsten kleinen großen Reise,

Eure Kerrin

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Anne

    Das ist ein richtig toller Artikel geworden! So viele interessante Details über die legendäre Route 66 habe ich noch nie gelesen. Die Historic Route wär genau mein Ding. Ich glaube das werden meine bessere Hälfte und ich auch noch machen. Vielleicht sogar auf dem Motorrad 😉

    Stimmt, Museen sind hier schon extrem gut gemacht. fällt mir auch immer wieder positiv auf.

    Beste Grüße
    Anne

    1. Kerrin

      Hallo Anne,
      vielen Dank, freut mich sehr zu hören 🙂
      Oh ja, mit Motorrad muss die Route 66 der Hammer sein. Irgendwann mache ich auch noch einen Schein 😉
      Beste Grüße,
      Kerrin