Visum in der Tasche, unser Umzug in die USA kann beginnen . Zwei Jahre ist unser Abflug nach Chicago heute her, doch so einfach war es nicht. Zwischen Visum und Abflug standen uns noch ein paar spannende, nervenaufreibende Tage bevor. Wer hätte auch gedacht, dass dann alles so schnell gehen würde…

Unser Umzug in die USA - Ich bin dann mal weg

Sagen wir mal so: Es gab da ein paar Schwierigkeiten mit dem Visum. Wer meinen Artikel Wenn das Visum nicht wäre… gelesen hat, der weiss wovon ich spreche. Long story short: Niemand hat mehr so wirklich gedacht, dass es tatsächlich bald losgehen könnte. Uns inklusive. 

Der eigentliche Starttermin des Jobs meines Mannes in den USA war gekommen, aber es gab kein Visum. Somit auch keinen Trip nach Chicago, um eine Wohnung zu suchen, und ganz sicher noch keinen Umzugstermin. Klar, kein Visum – keine Investitionen vom Arbeitgeber. Verstehe ich total! Wirklich!!! Aber mag ich das? – NEIN. Ungewissheit – als kleiner Kontrollfreak ein echtes Problem. Norman Mailer sagte mal: „Du hast die Wahl. Du kannst dir Sorgen machen, bis du davon tot umfällst. Oder du kannst es vorzeihen,  das bisschen Ungewissheit zu genießen“.

Geniessen ist ein starkes Wort. Heute, zwei Jahre später, würde ich lügen, wenn ich von genießen spräche. Nennen wir es Akzeptanz. Akzeptanz gepaart mit mit einem Kilo Flexibilität und einer guten Prise Optimismus . Zwei Tugenden, die in zwei Jahren Leben im Ausland nicht zuletzt getestet und unter Beweis gestellt werden mussten.

Nunja, das Visum endlich in der Hand, ging die ganze Maschinerie, auf die wir vorher vergebens gewartet hatten, endlich los. Am selben Tag noch buchte der Arbeitgeber meines Mannes unsere Flugtickets nach Chicago und bestätigte den Termin für das Umzugsunternehmen. UMZUG NÄCHSTE WOCHE. ABFLUG DIE WOCHE DARAUF. 

Haha, nächste Woche… klaaaaar gar kein Problem! Innerer Sarkasmus macht sich breit. Übrigens ein verdammt gutes Mittel im Kampf gegen die oben beschriebene Ungewissheit. Packen, ausmisten, Abschied von Familie und Freunden und by the way schonmal von Kündigungsfristen gehört? Apropos Kündigungsfristen, was ist eigentlich mit der geplanten Wohnungssuche in den USA? Nicht zu vergessen meine gerade aufsteigende Panik, weil ich in zwei Wochen Tschüß zu Familie und Freunden sagen muss!?

Hallo erste 100 Gramm Flexibilität. Es wird eine möblierte Übergangswohnung für uns gebucht und in Punkto Kündigungsfristen hatten wir natürlich vorgesorgt. Unser Vermieter wollte unsere Wohnung nach unserem Auszug renoviren und war somit flexibel…Hamburger Wohnungsmarkt lässt grüßen 😉

Mein Arbeitgeber war es ebenfalls. Wobei der Schreck dann doch etwas größer war, als ich am Mittwoch Morgen verkündete, dass Freitag mein letzter Tag sein wird. Somit hätten wir zumindest noch 3 freie Tage bis das Umzugsunternehmen kommen würde. 200 gramm mehr auf dem Flexibilitäts-Meter und ein dickes DANKESCHÖN an dieser Stelle!

Was die Panik angeht? Selber Schuld. Du wolltest es so. Außerdem ist gerade echt keine Zeit für Panik…

Oh Schreck, morgen kommt das Umzugsunternehmen

Wie lange kann so ein Umzug in die USA schon dauern,  nicht wahr? Das Umzugsunternehmen kommt. Das Umzugsunternehmen packt alle Kartons. Das Umzugsuntenehmen verlädt die Möbel. Das Umzugsunternehmen verlädt die Kartons. Fertig – YOU WISH! Wahrscheinlich kennt ihr es selber von euren Umzügen: Es dauert. IMMER LÄNGER ALS MAN DENKT. Und nur mal so am Rande erwähnt, ist dies eine weitere Weisheit, die ihr euch fürs Auswandern hinter die Ohren schreiben könnt.

Natürlich wussten wir, dass es irgendwann losgehen würde. Natürlich wussten wir, dass wir vielleicht ein paar private Sachen hätten selber packen wollen und entrümpeln auch keine so doofe Idee gewesen wäre. Immerhin will man ja nicht jeden Kleinkram mit ins Ausland schleppen. Ganz besonders nicht, wenn man noch gar keine Wohnung hat, nicht weiss wie groß diese sein wird und ob es Abstellmöglichkeiten geben wird. Aber wir sind ja flexibel. HaHa.

Klar, das Entrümpeln hätte natürlich auch jeder Zeit ohne Umzugstermin stattfinden können… Ich sag es aber ganz ehrlich. Die Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, war einfach sehr viel verlockender. Neben Sarkasmus ist außerdem Verdrängung ein weit genutztes Mittel gegen die Ungewissheit. Auch bei mir. So sehr ich mich auf den Umzug gefereut habe, so sehr wollte ich auch nicht, dass der Tag kommt. Nicht Ausmisten, bedeutete demnach auch kein Umzug. Zumindest erst einmal nicht. Ich sag euch, die Psyche spielt euch merkwürdige Streiche in dieser Zeit.

Aber es ging nunmal los. In 3 Tagen schon. Somit wurde die Wohnung entrümpelt und die Sachen für den Flieger gepackt. Ich weiss nicht, wer von euch schonmal richtig entrümpelt hat, aber schön ist das nicht. Vor allem nicht die Diskussionen, wenn beide Partner denken, dass nun der Tag aller Tage gekommen sei. Der Tag, an dem man Wege findet, die seit Jahren, nun ja, nur semi-schönen Dinge des Anderen endlich loszuwerden. Aber ich kann euch beruhigen, dies hält nur bis zu dem Punkt an, an dem A und B begreifen, dass es ein Zeitproblem gibt. Und zwar ein Großes. 

Der Container ist da - oder auch nicht

Hamburg Winterhude – der Schrecken für viele Autobesitzer. Denn hier herrscht Parkplatzmangel. Das Umzugsunternehmen hatte zwar Halteverbotsschilder bei der Stadt angemeldet, trotzdem hatten wir uns die ganze Zeit gefragt, wie dort ein 40 Fuß Conatiner hinpassen soll. Geschafft von den letzten 3 Tagen und besonders der letzten Nacht, es wurde noch eifrig weiter sortiert und gepackt, war uns das morgens um 8 Uhr ziemlich egal. Müde aber sichtlich entspannter, begrüßten wir das Umzugsteam. Diese hielten auch nicht lange hinter den berg und erwähnten sogleich, dass das mit dem Container da vor der Tür ganz sicher nichts werden würde. Ja Leute, Flexibilität sage ich da nur. Wie geasgt, so getan. Kurzer Hand wurde umdisponiert und ein kleinerer LKW bestellt, von dem unsere Sachen dann später umgeladen werden würden.

Umzug in die USA

 

Die kommenden zwei Tage liefen recht entspannt ab. An Tag eins baute unser Umzugsteam alle Möbel auseinander und verpackte diese und alle anderen Sachen professionell in Kartons. Unsere einzige Aufgabe bestand darin für Kaffeenachschub und belegte Brötchen zu sorgen. Vielleicht ab und an bei Fragen zur Seite zu stehen. Nachdem die Wohnung und auch der Keller leer geräumt waren, hiess es Abschied nehmen. Von unseren Sachen, die bald über den großen Teich ohne uns schippern würden, und unserer Wohnung. 

Abschied vor dem Umzug in die USA - Achterbahn der Gefühle

Auswandern USA
Abschiedspartyvor dem Umzug in die USA
Abschied am Flughafen

4 Tage blieben uns noch bis zum großen Abschied. Mehrere Abschiedspartys mit Familie und Freunden später, ging es dann zum Flughafen. Ich glaube wir haben uns von jedem mindestens 3 Mal verabschiedet. Immer wieder einen Grund findend, sich doch nochmal sehen zu müssen, und am Ende waren so viele dann sogar noch am Flughafen auf ein letztes Aufwiedersehen. 

Die Nacht vor dem Flug konnte ich allerdings kaum schlafen. Heftige Zweifel machten sich breit, ob das wirklich alles so das Richtige sei. Eine Stadt, die ich noch nie gesehen hatte würde mein neues zu Hause werden. Ein zu Hause ohne Familie und Freunde. Für mich auch erst einmal ein zu Hause ohne Job und ohne Arbeitserlaubnis. Wann diese kommen würde und was für Möglichkeiten es da geben würde –  Völlige Ungewissheit. Nunja, das wusste ich ja auch vorher und ehrlich gesagt war es ein Visum und ein Umzugscontainer zu spät, um nun alles abzusagen. So ging es zum Flughafen und unter Tränen wurde Tschüß gesagt.

Schon in den Flieger steigend verblassten die Zweifel dann aber recht schnell und wichen der Vorfreude. Die gute Prise Optimismus dazu, ging es auf in ein anderes Leben. 2 Jahre später kann ich dies voll und ganz unterschreiben. Es ist ein anderes Leben hier in den USA und der Optimismus hat sich gelohnt – Genug Stoff für jede Menge weitere Geschichten. 

Übernächste Woche geht es aber erst einmal mit dem zweiten Teil unseres Umzuges nach Chicago weiter. Dann auch inklusive Liste, worauf ihr bei eurem Umzug in die USA achten solltet (Und so viel kann ich schon verraten: Die Flexibilitätsprobe geht auch im zweiten Teil weiter).

Wenn ihr Lust habt, schaut euch doch bis dahin auch die anderen Geschichten zum Thema Umzug in die USA und Auswandern an:

Bis zur nächsten kleinen großen reise,

Eure Kerrin

Der Artikel hat dein Interesse geweckt? Hier findest du noch mehr über das Auswandern, Leben und Reisen in Amerika
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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Farbenschiff

    Oh Mann, was für eine Aufregung! :O
    Mir geht es auch immer so, dass sich alles ganz stressig anfühlt und der ganze Abschiedskram meinen Kopf und meinen Körper zu sprengen droht. Zu viele Gefühle und Gedanken… Aber wenn ich dann auf dem Weg bin, fällt ziemlich schnell alles von mir ab und die Freude kommt. 😀
    Freue mich schon auf die Fortsetzung!
    Liebe Grüße 🙂

    1. Kerrin

      Das kannst du wohl laut sagen. Schoen zu hoeren, dass es anderen auch so geht:)
      Liebe Gruesse aus Chicago

  2. Eva

    Bin schon gespannt, wie es weitergeht 😉
    Und mir war schon beim Umzug aus NRW nach HH mulmig. Sicherlich kein Vergleich zu Eurem Umzug. Aber da es im Kleinen schon anfängt, habe ich eine Ahnung, wie es sich im Großen anfühlen muss.
    LG aus HH

    1. Kerrin

      Hallo Eva,
      Ja, das verstehe ich gut. Ich finde jeder Umzug, egal wohin, ist immer aufregend und mit viel Arbeit verbunden. Freut mich, dasss der Artikel dir gefallen hat.
      Viele Gruesse aus Chicago,
      Kerrin